Es gibt Menschen, denen fällt es leicht, spontan und ungezwungen zu flirten. Wenn sie jemanden sehen, der ihnen gefällt, lächeln sie diese Person an. Sie denken nicht lange nach, sondern gehen auf diese Person zu und sprechen sie an. Und wenn sie einen Korb bekommen: So what - that's life! Hier wird kein zweiter Gedanke verschwendet, sondern das Leben geht weiter. Zum Beispiel mit dem nächsten Lächeln ...
Wir alle kennen solche Menschen, wissen aber auch, dass sie eher die Ausnahme darstellen. Viel häufiger erleben wir folgende Situation: Da ist jemand, der uns gefällt. Gerne würden wir diese Person ansprechen und kennenlernen. Doch noch bevor wir handeln können, schaltet sich die kleine Stimme in unserem Kopf ein: "Angenommen, ich spreche diese Person nun an. Wie wird sie reagieren? Wird sie überhaupt reagieren? Und - was werden sich die anderen Leute denken? Wie werde ich mich fühlen? Und überhaupt - so wohl fühle ich micht jetzt auch nicht mehr. Ich lass das lieber mal, bevor das noch in die Hose geht."
In der Psychologie sprechen wir hier von der Schreckstarre: Statt frei nach eigenem Willen handeln zu können, bewirkt die kleine Stimme in unserem Kopf (oder das seltsam-flaue Gefühl im Magen), dass wir wie versteinert verharren - und unsere Chance verpassen. Nicht selten kommen danach Selbstvorwürfe: Warum hast du nicht? Warum bist du so? Ein Teufelskreis, aus dem es nur selten ein Entrinnen gibt.
Doch für diese Blockade gibt es gute Gründe! Denn Ihr Unterbewusstsein will Ihnen nichts böses, sondern Sie sogar beschützen. Was paradox klingen mag, lässt sich dank der Erkenntnisse moderner Neurologie rasch erklären. Folgt eine stark vereinfachte Darstellung, die Ihnen schlüssig aufzeigt, wodurch das Problem entsteht:
Unser Gehirn unterteilt sich in verschiedene Bereiche mit unterschiedlichen Zuständigkeitsbereichen. So findet logisches Nachdenken z.B. überwiegend im Großhirn statt. Andere Bereiche des Gehirns (limbisches Gehirn, Reptiliengehirn) kümmern sich mehr um Emotion, Reaktion und Automatismen: Hier werden z.B. Körperfunktionen reguliert (Puls, Blutdruck, etc.), hier findet aber auch ein Großteil der Emotionen statt. Sprechen wir folgt vereinfacht vom logischen und vom emotionalen Teil des Gehirns.
Ein oft benutztes Beispiel ist das vom (vor mehr als 10.000 Jahren ausgestorbenen) Säbelzahntiger. Wenn unsere Urururvorfahren irgendwo in der Pampa Beeren sammeln waren und sich hinter dem nächsten Gebüsch plötzlich Angesicht zu Angesicht mit einem Säbelzahntiger befanden: Hätten sie erst einmal logisch überlegen müssen, was zu tun wäre, wäre es zu spät gewesen. "Mhm .... soll ich weglaufen, oder soll ich auf den nächsten Baum klettern? Will mir der Säbelzahntiger überhaupt etwas tun? Was wäre wohl die beste ..." Ratsch - aus, vorbei, und uns alle gäbe es heute gar nicht.
Statt dessen besitzt unser Organismus in Gefahrensituationen eine geniale Fähigkeit. Das Großhirn (also die Logik) wird abgeschaltet, und der "emotionale" Teil unseres Gehirns versorgt uns sofort mit der für Kampf oder Flucht notwendigen Energie. Puls, Blutdruck und Adrenalinausschüttung rauschen in die Höhe, wir sind "voll da" - und können handeln. Das logische Denken funktioniert in solchen Fällen so gut wie gar nicht mehr.
Säbelzahntiger gibt es heute keine mehr. Dafür allerlei andere Dinge, die unser Unbewusstes irgendwann als gefährlich interpretiert und abgespeichert hat. Wie z.B. einen Zurückweisung, die man mal erhalten hat - den schmerzhaften "Korb". Leider hat unser neurologischer Fortschritt nicht so ganz mit dem Fortschritt der Evolution standgehalten, und so reagieren wir selbst auf nicht-physische Gefahren körperlich noch genau so, wie wir vor tausenden vor Jahren auf Angriffe auf unser Leib und Leben reagiert haben. Selbst dann, wenn es eigentlich nichts zu Kämpfen oder zu Flüchten gibt. Und zu den typisch archaischen Mustern Kampf und Flucht gesellt sich häufig noch die Schreckstarre: Man ist völlig handlungsunfähig, die Logik ist kaum noch nutzbar.
Fassen wir zusammen: Fast jeder Mensch hat es im Laufe seines Lebens mit unzähligen Zurückweisungen zu tun - das ist natürlich. Aber je nach Erziehung, früher Prägung und zahlreicher anderer Einflussfaktoren kann ich lernen, mit Rückweisungen adäquat umzugehen - oder mein Gehirn speichert solche Situationen als "gefährlich" ab und wird in Zukunft alles daran setzen, mich davon abzuhalten, mich in weitere Gefahrensituationen zu begeben. Da hilft dann auch alles gute Zureden, sämtliche Logik nichts - der emotionale Teil Ihres Gehirns wird der Logik einfach den Hahn abdrehen!
| < Zurück | Weiter > |
|---|
