Es gibt sie wie Sand am Meer: Flirttrainings, in denen trainiert werden soll, wie Flirten funktioniert. Da werden Realsituationen im Kursraum nachgestellt, das Ansprechen im Fließbandtakt geübt, und ein schlauer Trainer oder eine Trainerin gibt Ihnen Feedback dazu, was Sie besser machen könnten.
Flirttrainings werden von Männern wie Frauen gleichermaßen besucht. Seit vielen Jahren gesellt sich allerdings eine neue Gattung von Flirttraining hinzu, die fast ausschließlich Männer anspricht: Die Pick Up Trainings. "Pick Up" kommt aus dem Englisch und bedeutet soviel wie aufgabeln, oder: Abschleppen. Weltweit hat sich eine illustre Szene von Pick Up Artists (und solchen, die es werden wollen) gebildet: Männer, die die hohe Kunst des Flirts Perfektionen wollen. Wobei die Szene alles andere als homogen ist: Einigen Pick Uppern geht es einzig und allein darum, möglichst schnell ans Ziel zu kommen. Einige sehen im Pick Up eine Möglichkeit, an sich selbst und an ihren Stärken zu arbeiten und nutzen die auch im Pick Up Bereich zahlreich verbreiteten Werkzeuge aus Coaching, NLP und sogar Hypnose. Und wiederum andere versuchen durch Pick Up, logisch zu begreifen, was ihnen emotional nicht gelingen mag (im Szenejargon wurde dafür sogar eine Bezeichnung gefunden: Man spricht von den Keyboard Jockeys, also den "Tastaturhelden").
Wirft man mal einen globalen Blick auf die Pick Up Szene, ergeben sich allerdings drei Hauptgruppen: Die Gurus, die Könner, und die Lernwilligen. Die "Gurus" sind meist Coaches oder Trainer, die ihr Wissen gegen Bares an andere weitergeben. Spätestens seit dem Buchbestseller "Die perfekte Masche" des amerikanischen Autors Neil Strauss sind viele Leser mit einigen dieser Gurus vertraut, die illustre Namen wie Mystery, Style, Badboy, oder einfach auch nur Ross Jeffries tragen.
Die "Könner" sind erfahrene Pick Upper, die im Rahmen von regionalen Treffen (sog. Lairs) neue oder unerfahrene Pick Upper meist unter ihre Fittiche nehmen und entgeltlos coachen.
Den absoluten Großteil der Szene bilden jedoch die Lernwilligen: Männer jeglichen Alters, die auf der Suche nach dem Schlüssel zum Erfolg sind. Gerade dann, wenn das eigene Selbstbewusstsein noch relativ schwach ausgeprägt ist, klammert man sich an jeden Strohhalm: Da fließen schon mal tausende von Euros in die Kasse von selbsternannten Flirtgurus, die zum Teil hanebüchene Methoden vorführen, die von den Anfängern dann bedingungslos umgesetzt werden müssen, wollen diese auch erfolgreich werden. Einige dieser Trainings setzen auf Demütigung. Andere wiederum sind so aufgebaut, dass sich der Trainer als Alphamännchen präsentiert und sich von seinen Teilnehmern nicht selten dafür bezahlen lässt, ihnen zu erzählen, was denn "wahre Männlichkeit" ist. Leider verstecken sich hinter solchen sich selbst großspurig in Szene setzenden Trainern oftmals völlig ungereifte Persönlichkeiten, die die Gutgläubigkeit und Hoffnung ihrer Teilnehmer erbarmungslos ausnutzen, um wiederum ihr eigenes Selbstbewusstsein zu pushen. Sie fühlen sich selbst umso männlicher, je mehr sie anderen Männern erzählen dürfen, wie diese "männlich" werden können. Zu guter Letzt stehen die Pick Up Trainer, die von Natur aus ein gutes Mundwerk und den nötigen Charme besitzen, um beim anderen Geschlecht Punkte zu sammeln. Diese nutzen ihre bereits vorhandenen Fähigkeiten aus, um bei ihrer Gefolgschaft Punkte zu sammeln: So beeindrucken sie gerne dadurch, dass sie vor ihren Lehrlingen einen gelungenen Flirt demonstrieren und anschließend halbgare Pseudoerklärung abliefern, wieso weshalb warum der Flirt so gut funktioniert hat. Das mag zwar imposant aussehen - enthält jedoch keine für alle reproduzierbare Methode. Der Lerneffekt geht gegen Null, wenn auch zumindest ein Motivationsschub eintreten kann.
Alles im allem ein trauriges Schauspiel, das an Absurdität manchmal kaum zu übertreffen ist. Die Lernwilligen spielen es trotzdem gerne mit: Nicht etwa, weil sie so dumm wären. Sondern schlicht und ergreifend weil sie den vermeintlichen Heilsbringern vertrauen schenken, das diese nur allzu gerne missbrauchen - Hauptsache, die Kasse stimmt.
Flirtkurs, Pick Up Training oder gar Selbstüberwindung: In allen drei Fällen wird meist am eigenen Verhalten gearbeitet. Was in vielen Bereichen Sinn machen würde, macht beim Flirten oft nur wenig Sinn: Denn es ist nicht der Verstand, der hier "optimiert" werden müsste - es ist das Unterbewusstsein. Oder, um bei der eingangs aufgezeigten Erklärung der verschiedenen Gehirnareale zu bleiben: Wir müssen die Kurskorrektur nicht im Bereich der Logik durchführen, sondern die emotionalen Areale ansprechen um hier Blockaden zu lösen und Stärken aufzubauen.
Übrigens: Natürlich gibt es auch wirklich erstklassige Flirtkurse, und grandiose Pick Up Trainer. Einige davon empfehle ich immer wieder gerne persönlich, wie z.B. die Flirtkurse von Dittmar Kruse (Webseite: Flirten statt Warten), der hauptsächlich mit dem Werkzeug NLP (neurolinguistisches Programmieren) arbeitet und stets gleich verteilte Gruppen Frauen und Männer in seine Kurse nimmt. Oder den kroatischen Pick Up Trainer Dan Nesek, der seit Jahren unter dem Szenejargon "Badboy" bekannt ist. Auch, wenn seine doch sehr provokant und direkt ausgelegten Methoden meist nicht 1:1 in unserem Kulturkreis umzusetzen sind, bieten seine Intensivtrainings oftmals die Möglichkeit, eigene, alte Glaubenssätze zu sprengen und gleichzeitig seine eigene Flexibilität zu erhöhen. Allerdings sollte vor jedem Kurs, vor jedem Coaching genau geklärt werden, wie gut das Angebot zu dem eigenen Bedarf passt - Pauschalempfehlungen lassen sich nie aussprechen.
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