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Der Prozess Kachelmann - und die hypnotische Wirkung der Medien

Soeben kam auf einem Münchner Lokalradiosender folgende Meldung:
"In ihrem Plädoyer wollen die Verteidiger von Jörg Kachelmann jeden Verdacht gegen den bekannten Moderator zerstreuen". Das war alles - die komplette Meldung.

Welches Bild entsteht dabei im Kopf des Zuhörers? Aller Wahrscheinlichkeit nach:

Ein paar schmierige Winkeladvokaten, die den Zeugen das Wort im Mund verdrehen, nur um den eindeutig schuldigen Kachelmann (der sich alldieweil fies grinsend die Hände ob des bevorstehenden Freispruchs reibt) aus der Bredouille zu pauken. Wollen wir uns das Ganze mal aus der Perspektive der hypnotischen Sprache anschauen.

In der folgenden Betrachtung soll es nun lediglich um die mediale Berichterstattung gehen - nicht um den Tatvorwurf. Möge den Gerichten zu wünschen sein, hier ein faires Urteil fällen zu können - denn bei der vermeintlichen Tat dabei waren wir alle nicht. Analysieren wir diese kurze Meldung mal nach den Kriterien der hypnotischen Sprache und durchleuchten, welche Wirkung diese Botschaft hinterlässt.

  • ‎"wollen die Verteidiger" demonstriert Stärke, Macht. "Der Anwalt von Jörg Kachelmann" würde weitaus weniger martialisch klingen. Hier entsteht automatisch ein Bild von einer ganzen Reige von Anwälten in Kopf.‎
  • "jeden Verdacht" impliziert, dass es viele davon gibt.
  • ‎"wollen ... zerstreuen" impliziert, dass der Verdacht fundiert, legitim und wahr ist - und deshalb zerstreut werden muss. Kontrastbeispiel: "Der Verbrecher war unmittelbar nach der Tat damit beschäftigt, jeden Verdacht gegen sich zu zerstreuen". Zerstreuen kann ich nur, was da ist - und genau genommen ist ein "Verdacht" ja keine Tat. Nur in einen solchen Satz eingeschachtelt fällt es schwer, differenzieren zu können.
Wie könnte man das Ganze noch formulieren? Werfen wir mal einen Blick auf Focus Online: "Verteidiger: Keine Beweise gegen Kachelmann". Und weiter: "Die Verteidigung sieht im Kachelmann-Prozess keine Beweise gegen den Wettermoderator. Aus „Rache und Hass" habe die Ex-Freundin Jörg Kachelmann bewusst zu Unrecht belastet, sagte Verteidigerin Andrea Combé am Dienstag in ihrem Plädoyer.

Die Frau habe sich von dem Gedanken leiten lassen: „Du hast mich vernichtet, dann vernichte ich dich auch." Die Nebenklägerin verfolgte das Plädoyer im Gerichtssaal. Immer wieder schüttelte sie bei den Ausführungen still den Kopf."

Würde man nun eine Blitzumfrage zwischen den Hörern des Münchner Lokalradiosenders und den Focus-Lesern machen, wüssten wir schon im Vorfeld, welche Gruppe sich eher pro und welche Gruppe sich contra Kachelmann entscheiden würde. Spannend! Und das erleben wir jeden Tag aufs Neue. Deshalb: Trau, schau, wem - wenn Sie die Mechanismen der hypnotischen Sprache begreifen, können Sie sich ein gutes Stück weit gegen solche Meinungsmache immunisieren.