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Die Induktion ist nicht die Intervention

Mal Hand aufs Herz: Wenn Sie das Wort Hypnose hören - woran denken Sie als allererstes?

Der Raucher denkt wahrscheinlich zuallererst an die Möglichkeit, mit Hypnose vom Glimmstängel loszukommen. Die spirituell Bewanderte an Reinkarnation mit Hypnose. Einige denken an Showhypnose, andere an Hypnotherapie. Die Assoziationen, die in Verbindung mit dem Wort Hypnose auftauchen, sind viel zu mannigfaltig, als dass sie sich pauschalisieren oder auf ein Kernthema reduzieren ließen. Nichts desto trotz gibt es einige typische Klischees, die immer wieder in Verbindung mit Hypnose auftauchen. Eines der hartnäckigsten davon: Hypnose führt zu unmittelbarer Bewusstlosigkeit. Wie eine Art An-/Aus-Schalter, der vom Hypnotiseur einfach umgelegt wird - und der einen sofort in andere Sphären beamt, in denen man absolut überhaupt nichts mehr um sich herum mitbekommt. 

Dieser Wunsch nach dem völlig wegsein dürfen ist auf den ersten Blick hin durchaus nachvollziehbar, gerade dann, wenn man unter einer akuten Belastung leidet. Angsterkrankte wünschen sich eine Auszeit von ihrer Symptomatik genauso, wie sich ein Zahnarztaptient das Ausgeschaltetsein während der Behandlung herbeisehnt. Und oftmals werden damit tief in uns verwurzelte Phantasien aus unserer Kindheit bedient, wo wir noch geglaubt haben, wir müssen uns nur etwas stark genug wegwünschen, und es würde verschwinden: Wenn ich mir nur lange genug die Hände vor die Augen halte, ist "es" vielleicht verschwunden.

Zu dem Wunsch des völlig Wegseins dazu gesellt sich noch eine Art bequemes Konsumdenken: Wenn ich selber "weg" bin, muss der Hypnotiseur alleinverantwortlich sich darum kümmern, dass mein Problem gelöst wird. Man selbst ist ja schließlich handlungsunfähig und kann die gesamte Verantwortung für die Lösung des eigenen Problems nach Außen hin abgeben - nicht unähnlich der Programmierung eines Computers.

Soweit zur Theorie und dem Wunschdenken. Wie schaut aber die Wirklichkeit aus? Ohne die alleingültige Wirklichkeit für mich allein gepachtet haben zu wollen, hier zumindest die Erfahrungen aus den hypnotherapeutischen Sitzungen, die ich mit zahlreichen Klienten erfolgreich durchführen durfte:

  • Hypnose wirkt. Aber in den seltensten Fällen nach dem Zackbumm-Prinzip, sondern prozessorientiert. Eine gute Hypnotherapie muss nicht lange dauern, aber mit überprüfbaren Zielen arbeiten, so, dass sowohl Klient als auch Therapeut ein Instrument zur Erfolgskontrolle zur Verfügung steht. Wenn dieses auch durch und durch subjektiv gefärbt sein mag, ist es in jedem Falle dem Blindflugprinzip haushoch überlegen.
  • Hypnose schaltet an, nicht aus. Symptome beschreiben zumeist einen Zustand, in dem ich weniger Ressourcen zur Verfügung habe, als wenn ich symptomfrei wäre. Bei einer Angsterkrankung können mir z.B. die Ressourcen Mut und Zuversicht fehlen, oder die situativ angemessene Anpassungsfähigkeit meines Organismus und vegativen Nervensystems auf sich ändernde Außenzustände oder körperliche und seelische Prozesse, oder ... Hier gilt es, gemeinsam mit dem Klienten herauszuarbeiten, welche Ressourcen ihr oder ihm helfen könnten, sein Symptom hinter sich zu lassen. In jedem Falle geht es aber im therapeutischen Prozess nicht um eine "Wegnahme" (z.B. von Angst), sondern primär um das Erweitern der eigenen Flexibilität im Handeln, Denken, Fühlen und Erleben, sowie um eine Anreicherung der inneren Ressourcen. Mit Hilfe von Hypnose will ich schlussendlich wacher sein, die Dinge besser im Griff haben und selbstbestimmter leben können - und nicht "ausgeschaltet" werden.
  • Hypnose macht wach, nicht müde. Die immer noch weitläufig propagierte Definition von Hypnose, "eine Einengung des Bewusstseins und eine Öffnung des Unterbewusstseins" halte ich für grundverkehrt, bzw. einfach unglücklich formuliert. Mittels Hypnose versuche ich zwar, die bewusst-kognitiven Anteile (in den meisten Fällen der berühmt-berüchtige innere Dialog) zur Ruhe kommen zu lassen, aber ich enge nicht ein. Diese Definition führt bei den meisten meditationserfahrenen Menschen zu argen Kopfschmerzen, da sie ja eine Erweiterung des eigenen Bewusstseins anstreben - und ganz sicher keine Einengung. Würde man diese Definition ein wenig geschickter umformulieren, würde sie wohl lauten: "Hypnose führt zu einer Beruhigung der inneren, kritischen Stimme, während das Unbewusste zugänglicher für hilfreichen Input wird, so, dass der Klient ganzheitlich zu mehr Bewusstsein gelangen kann."

Kehren wir nochmal zum Ausgangsthema zurück - der Illusion, Hypnose würde aus einer Art "ausschalten" des Menschen bestehen. Nun: Es gibt in der Tat Induktionen, die den Eindruck erwecken, man können einen Menschen quasi mit Fingerschnipp einfach wegbeamen. Ein schönes Beispiel dafür ist unter folgendem Video zu finden:

http://www.youtube.com/watch?v=E9lF4hzGgqg

Der Hypnotiseur dort nutzt verschiedene Blitzinduktionen, die - in der Tat - auch funktionieren. Das Kunststück dieser sehr schnellen Form von Hypnose besteht darin, dass das Publikum natürlich felsenfest davon überzeugt ist, der Hypnotisand würde sich schlagartig in eine tiefe Trance fallen lassen und völlig weg sein. Nun: Wer schon einmal selbst eine Blitzhypnose erlebt hat, wird wissen, dass diese zwar funktioniert, aber dass man in der Regel trotzdem noch alles um sich herum mitbekommt - also eben nicht völlig weg ist. Im Endeffekt wird also nicht nur der Hypnotisand hypnotisiert, sondern auch das Publikum erhält eine sehr kraftvolle Suggestion - und zwar, dass der Hypnotisand schlagartig in tiefe Trance versetzt wurde.

Diese Form von Induktion ist sehr eindrucksvoll und kann vor allem im Gruppenkontext gewinnbringend genutzt werden. Jedoch gilt hier die eiserne Grundregel einer jeden Hypnose zu beachten: Die Induktion ist nicht die Intervention! Nur, weil jemand schnell in Trance geht, heißt das noch lange nicht, dass ihre oder seine Probleme genauso schnell zu lösen wären. Jeder seriös arbeitende Hypnotiseur wird sich dieser Tatsache überaus bewusst sein. Einige wenige Kollegen nutzen die Wirksamkeit schneller Induktionen jedoch geschickt dafür aus, ihren Zuschauern zu suggerieren, dass sie Probleme jedweder Art genauso schnell nehmen könnten. Quacksalberei allererster Güte, und: Leider nichts Neues. Denn diese Form von Täuschung wurde schon vor Jahrzehnten genutzt. Beispiel gefällig? Ab ca. 0:45 wird es spannend:

http://www.youtube.com/watch?v=q7BQKu0YP8Y#t=0m45s

Hier sehen wir den Wunderheiler Peter Popoff, wie er (fast) die selbe Form von Induktion nutzt, wie der Hypnotiseur in dem Video zuvor. Nur dass Popoff es nicht Hypnose nennt, sondern Gott für die erzielten Effekte verantwortlich macht. 

Heißt das jetzt, dass jede Form von "Wunderheilung" automatisch Scharlatanerie wäre? Nein, eine Wertung ist in diesem Beispiel nicht mit eingeschlossen - hierzu darf sich jeder sein eigenes Bild machen und seine eigene Meinung fassen. Heißt das, Blitzhypnose wäre unseriös? Definitiv nicht - Blitzhypnose ist eine tolle Sache, die sehr gewinnbringend sogar im therapeutischen Kontext genutzt werden kann! Was allerdings zum Ausdruck gebracht werden soll ist die Tatsache, dass ein schneller Bühneneffekt wie z.B. die Blitzhypnose durchaus sehr schnell den Eindruck erweckt, man könne Symptome genauso schnell heilen - bis hin zu tödlichem Krebs, wie es Peter Popoff ja immer wieder gerne suggeriert hat.

Blitzhypnose ist ein fantastisches Werkzeug, das jeder Hypnotiseur kennen und auch beherrschen sollte. Jedoch ist hier insbesondere ein sehr verantwortungsvoller Umgang mit diesem Werkzeug gefragt, das man keinesfalls ausnutzen sollte, um mit Hoffnungen zu spielen oder falsche Erwartungen zu erzeugen. Eine hilfreiche Erwartung wäre z.B., einem Klienten den Glauben an die eigene Genesungsfähigkeit zurückzuvermitteln. Eine falsche Erwartung wäre es, den Eindruck zu erzeugen, man könne den Klienten von jedweder Krankheit einfach per Fingerschnipp kurieren.