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Selbstbewusstsein - der schmale Grad zwischen Graue-Maus-Syndrom und Größenwahn

selbstbewusstDas Thema Selbstbewusstseins-Stärkung gehört zum Alltag eines Hypnotherapeuten wie die Butter zum Brot. Wohl jeder Hypnotiseur beherrscht zumindest die eine oder andere Intervention, um das Selbstbewusstsein ein Stück weit nach oben zu schrauben. Je qualifizierter der Experte, desto differenzierter wird sich jedoch auch sein Werkzeug zeigen. Warum es gerade bei Thema Selbstbewusstsein nun so wichtig ist, wirklich fachkundig an die Sache ranzugehen und wohlüberlegt die richtigen und passenden Interventionen herauszusuchen, zeigt sich rasch nach einigen Überlegungen zu dem Thema.

Selbstbewusstsein - Ursache oder Symptom?

In Amerika entstand in den späten 60er Jahren eine regelrechte Bewegung zum Thema Selbstbewusstsein. Immer wieder wurde betont, wie sehr ein hohes Selbstbewusstsein (respektive Selbstwert oder Selbstachtung - auch, wenn die Begriffe nicht inhaltsgleich sind, so werden sie in der Praxis doch relativ häufig miteinander vermischt) zu einer gesunden Psyche beiträgt. Ein hohes Selbstbewusstsein wurde mit hoher seelischer Stabilität, Erfolg und Zufriedenheit gleichgesetzt. Gerade in jungen Jahren soll ein mangelndes Selbstbewusstsein deshalb zu Depressionen, Versangensängsten und chronischer Unzufriedenheit führen.

Viele Selbsthilferatgeber wurden zu dem Thema geschrieben. Kurse angeboten. Und sogar in der US-amerikanischen Regierung sollte es eine "Selbstbewusstseins-Abgeordnete" geben, so zumindest ein Vorschlag, der an den damaligen Präsidenten Bill Clinton gerichtet wurde.

Hohes Selbstbewusstsein also gleich hohe Lebenszufriedenheit, niedriges Selbstbewusstsein gleich Versagen und Unzufriedenheit? Je intensiver die Psychologie nun ihren Blick auf diesen Bereich richtete, desto mehr kristallisierte sich der Denkfehler hinter dieser Theorie heraus. Mangelndes Selbstbewusstsein führt nicht zu mangelnder Lebensqualität, sondern mangelnde Lebensqualität (oder Ressourcen) führt zu niedrigem Selbstbewusstsein. Ein niedriges Selbstbewusstsein bzw. Selbstwertgefühl resultiert also meist aus einem Mangel an Ressourcen und ist somit eindeutig mehr Symptom denn Ursache.

Macht das einen Unterschied in der Praxis? Ja - definitiv. Und zwar für alle Hypnotiseure, die mit Selbstbewusstseins-Stärkung arbeiten. Denn: Wer nur das Selbstbewusstsein stärkt, nicht aber zeitgleich die zugrundeliegenden Ressourcen würdigt und stärkt, riskiert eine Transformation von der grauen Maus hin zum Größenwahn! Eine interessante Studie dazu wurde Mitte der 90er Jahren von dem amerikanischen Psychologen Roy Baumeister erstellt: Er untersuchte die charakterlichen Merkmale von Psychopathen, Auftragsmördern und Mafiabossen. Dabei stellte er fest, dass diese in aller Regel über ein äußerst pompöses Selbstbewusstsein verfügten, allerdings kaum bis keine zugrundeliegenden Ressourcen, die das Selbstbewusstsein in einen gesunden Rahmen gerückt hätten - wie z.B. ein gut funktionierendes Wertesystem oder eine innere Balance und Ausgeglichenheit. Baumeisters Schlussfolgerung: Wenn Kinder und Jugendliche nun nur Selbstbewusstsein beigebracht bekommen, aber auf tangierende Maßnahmen wie z.B. die Anregung zur inneren Selbstreflexion verzichtet wird, züchten wir schlimmstenfalls die nächste Generation an Psychopathen heran - nicht aber gesunde, glückliche und ausgeglichene Menschen! Denn spätestens, wenn die Kinder in die reale Welt hinausschreiten, werden sie plötzlich reichlich Rückmeldung erhalten, dass sie bei Weitem nicht so "großartig" sind, wie sie sich selbst einschätzen - und daraufhin möglicherweise aggressiv, wenn nicht gar gewalttätig, reagieren.

Die fehlgeleitete Selbstbewusstseins-Bewegung brachte also nicht nur Lösungen, sondern womöglich weitaus mehr Probleme. Wenn es einem wesentlich wichtiger ist, wie Selbstbewusst wir nach außen auftreten, als wie wohl wir uns tatsächlich fühlen, können Depression und sogar Gewalt die traurige Folge sein.

Was für den Hypnotiseur wichtig ist

Klienten, die sich mit dem Thema Selbstbewusstsein an den Hypnotiseur wenden, sind nicht immer nur die "grauen Mäuse", die geflissentlich übersehen werden und es satt haben, ständig einen Nebenschauplatz im eigenen Leben einzunehmen. Vom CEO, der an seiner Präsentationsangst arbeiten möchte, hin zu den "ganz normalen Menschen wie du und ich", die einfach das ständige Gefühl haben, ihr Potenzial nicht voll auszuschöpfen, ist die Bandbreite an möglichen Klienten zu dem Thema enorm breit gestreut.

Ein wenig qualifizierter Hypnotiseur wird hier leicht in Versuch geraten, die schnelle Lösung - den "Quick Fix", anzubieten. Ein oder zwei einfache Interventionen, die lediglich darauf abzielen, das Selbstbewusstsein quantitativ ein wenig anzuheben. Dies ist jedoch alles andere als der Königsweg, sondern eine geradezu gefährliche Notlösung, die schlimmstenfalls zu einem Gefühl vom omnipotenten Größenwahn führt und den Klienten am Ende des Tages unzufriedener und lebensuntüchtiger sein lässt, als hätte er keine Hypnose in Anspruch genommen.

Ein gut qualifzierter Hypnotiseur wird das Problem jedoch an der Wurzel anpacken - und statt nur am Symptom Selbstbewusstsein zu arbeiten, die zugrundeliegenden Ursachen mit berücksichtigen. Sie oder er wird - je nach Klient und konkreter Indikationslage - ...

  • gemeinsam mit dem Klienten die neurologischen Ebenen analysieren und eine persönliche Wertehierarchie erstellen
  • durch Gespräche über Werte, Glaubenssätze, Referenzerlebnisse, Spiritualität und auch Gesellschaftsreflexion einen breiteren Rahmen bieten, die neuerlangten Ressourcen vernünftig einzuordnen
  • im Zuge einer gründlicher Zielevereinbarungen sowohl die Licht-, aber insbesondere auch die Schattenseiten eines gestärkten Selbstbewusstsein analyisieren
  • einen Ökocheck durchführen - die gewünschte Veränderung unter anderem auch aus systemischer Sicht betrachten
  • niemals eine Lösung in nur einer Sitzung versprechen - diese ist zwar zuweilen möglich, aber keinesfalls so zielsicher prognostizierbar; statt dessen wird sie oder er nach dem Minimal-Maximal-Prinzip der Hypnotherapie arbeiten (so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich)
  • dem Klienten Maßnahmen an die Hand geben, wie sie oder er eigenverantwortlich in Selbstregie weiter an dem Thema arbeiten kann
  • die verwendeten Werkzeuge am Klienten und der genauen Indikationslage ausrichten und je nach Bedarf z.B. mit dynamisch-ressourcenorientierten Mitteln, mit Hypnoanalyse, oder auch Interventionen aus der Traumatherapie arbeiten

Eine gut angelegte Hypnotherapie führt zu einer deutliche Erweiterung persönlicher Ressourcen und innererer wie äußerer Flexibilität. Sie wird den Klienten ermächtigen und kraftvoller werden lassen. Das Selbstbewusstsein wird gestärkt, aber auf natürlichen Boden fallen und sicher verwurzelt sein. Dies ist nicht immer in nur einer einzigen Sitzung möglich, aber: Es lohnt sich, hier ein wenig Zeit zu investieren! Persönlichkeitsveränderung wirkt dann besonders nachhaltig, wenn sie wohlüberlegt und reflektiert stattfinden darf. Der Lohn dafür: Eine gesunde, kraftvolle und authentisch selbstbewusste Persönlichkeit - und keine Blender, die ihre gesamte Lebensenergie darauf verschwenden müssen, nach außen hin nur eine Rolle zu spielen um selbstbewusst zu wirken, ohne es tatsächlich zu sein.

(Quellenangaben: Martin Seligman - Learned Optimism. How to Change your Mind and your Life.)