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Tag 5 - Wenn am Ende des Tages nichts mehr übrig bleibt.

johnnycashHeute schlagen wir mal nachdenklichere Töne an. Aber: Gehören die zum Leben nicht genauso dazu wie die hellen, die freudvollen Momente? Die Hermetiker sind von der Prämisse "wo Licht, da auch Schatten" überzeugt, und auch in der Psychologie nach Carl Gustav Jung findet sich diese Einstellung prominent wieder. Und irgendwo macht es ja auch durchaus Sinn und ist nachvollziehbar, dass der Mensch, der nicht weinen kann, auch beim Lachen so seine Schwierigkeiten haben wird.

Im Jahre 1994 hat die amerikanische Industrialband Nine Inch Nails mit dem Song „Hurt“ so eine Art Hymne an selbstverletzendes Verhalten veröffentlicht, wie es häufig zum Beispiel bei der Borderline-Symptomatik vorkommt. Ein schockierendes Lied, melancholisch, düster, schwarz - wie ein Schlag in die Magengrube.

Heute werde ich mich selbst verletzten - um zu sehen, ob ich überhaupt noch fühlen kann. Ich lasse mich ganz auf den Schmerz ein … das Einzige, was im Augenblick wahr für mich ist.

2002 dann die schaurig-schreckliche Sensation: Das Lied wurde gecovert. Von niemand Geringerem als Johnny Cash - in den 60er Jahren Countrystar mit Weltruhm - mittlerweile jedoch verarmt und todkrank. Wenige Monate, nachdem er das Lied nochmal neu eingesungen hat, verstarb er.

Im Video greift Cash seinen ganz persönlichen, realen Schmerz unzensiert auf - und singt ihn in die Welt hinaus. Für die Zuschauer ergibt sich ein verstörendes Bild, plötzlich werden die sonst so plastischen Inhalte der Musikvideos real und zeigen das Leben in aller seiner Tiefe, in all seinem Schmerz.

Immer wieder Rückblenden auf frühe Tage, als Cash noch jung und voller Tatendrang war. Der Haudegen, der Draufgänger - der sicherlich auch das eine oder andere Mal die Gefühle anderer Menschen verletzt hatte. Dann wieder der alte Cash, der den Wein mit stark zitternder Hand über dem Festmahl vergießt und zu dem Schluss kommt: "Du kannst ihn ruhig haben ... meinen Palast, der eigentlich nur ein Misthaufen ist ...". Denn: Ins Grab lässt sich nichts mitnehmen.

Dann wieder Blende auf seine Frau, die dem Trauerspiel beiwohnt und der der Schmerz sichtlich ins Gesicht gezeichnet ist. Blende zurück auf den jungen Cash, gemeinsam mit seiner Frau bei der Geburt ihres Kindes. Zurück zum alten Cash: "Ich bin eine Enttäuschung für dich ... wegen mir musst du leiden ..."

Schaurig-schön, traurig, zum nachdenken anregend: Johnny Cash macht keinen Hehl daraus, dass er am Ende seiner Tage doch gescheitert ist. So gehen seine letzten Zeilen in Mark und Blut, sinngemäß: „Wenn ich nochmal völlig neu anfangen könnten - Lichtjahre weit weg … dann würde ich mir sicherlich treu bleiben. Dann … ja, dann würde ich einen Weg dazu finden.

Eine schonungslose Abrechnung mit dem eigenen Leben und die tiefe Reue, dass man so einiges im Rückblick doch ganz anders gemacht hätte. Gänsehautfeeling pur!

Hier der Text im Original, anschließend die deutschsprachige Übersetzung:

I hurt myself today
To see if I still feel
I focus on the pain
The only thing that's real
The needle tears a hole
The old familiar sting
Try to kill it all away
But I remember everything

What have I become
My sweetest friend
Everyone I know goes away
In the end
And you could have it all
My empire of dirt
I will let you down
I will make you hurt

I wear this crown of thorns
Upon my liar's chair
Full of broken thoughts
I cannot repair
Beneath the stains of time
The feelings disappear
You are someone else
I am still right here

What have I become
My sweetest friend
Everyone I know goes away
In the end
And you could have it all
My empire of dirt
I will let you down
I will make you hurt

If I could start again
A million miles away
I would keep myself
I would find a way

Heute habe ich mich selbst verletzt, um zu sehen, ob ich noch fühlen kann.
Ich konzentriere mich auf den Schmerz - das einzige, das real ist.
Die Nadel reißt ein Loch, das alte vertraute Stechen.
Ich versuche, alles abzutöten, aber ich erinnere mich an alles.
Was ist aus mir geworden, mein liebster freund?
Jeder, den ich kenne, stirbt am Ende.
Und du könntest es haben - mein Reich des Drecks.
Ich werde dich im Stich lassen, ich werde dir weh tun.
Ich trage diesen Dornenkranz auf meinem Lügnerstuhl,
Voll von kaputten gedanken, die ich nicht reparieren kann.
Unter den Flecken der Zeit verblassen die Gefühle.
Du bist nun jemand anders - ich bin immer noch genau hier.
Was ist aus mir geworden, mein liebster freund?
Jeder, den ich kenne, stirbt am Ende.
Und du könntest es haben - mein Reich des Drecks.
Ich werde dich im Stich lassen, ich werde dir weh tun.
Wenn ich noch einmal von vorn anfangen könnte,
eine Million Kilometer weg, würde ich mir treu bleiben.
Ich würde einen Weg finden.


Gute Musik berührt Seele und Herz gleichermaßen. Sie kann uns zum lachen genauso wie zum weinen bringen. Sie kann motivieren, beruhigen, erheitern, besänftigen, energetisieren oder ausgeglichen machen.

Vor allem aber kann sie uns zum Nachdenken anregen: Und zwar dann, wenn die enthaltene Botschaft einen besonderen Tiefgang enthält.

In den kommenden 30 Tagen präsentieren wir Ihnen jeden Tag einen eigens von uns ausgewählten Song, der in irgend einer Art und Weise immer wieder mit dem Thema Menschsein zu tun hat.

Mit der Tragik des Lebens genauso wie mit der Hoffnung und Leichtigkeit des Seins. Insbesondere interessieren uns dabei natürlich genau die Lieder, die einen gewissen psychologischen Kontext mitbringen und uns zum Nachdenken einladen, uns dabei die Möglichkeit der Selbst- und Fremdreflexion bieten. Lieder eben, die für Coaches und Hypnotiseure genauso wie für die Menschen interessant sind, die sich selbst noch ein wenig besser entdecken wollen. Lassen Sie sich überraschen und genießen Sie einfach die paar Minuten Auszeit mit Hits genauso wie mit weniger bekannten Liedern von heute genauso wie von dazumal.